Hinter dem Tuktuk von Davids Papa hinterherzufahren ist großartig. Da wäre mal einerseits die Streckenführung. Davids Papa kennt den Weg, also brauch ich kein Navi.
Dann wären da die Straßenunebenheiten. Immer wieder weicht er von der Fahrspur ab und fährt über die weiße Linie auf den Straßenrand. Ich kopiere sein Fahrmanöver und erkenne einige Augenblicke später, was der Grund für den Spurwechsel ist: Schlaglöcher.
Ein weiterer Grund warum es so großartig ist, hinter dem Tuktuk herzufahren ist die Geschwindigkeit. Ehrlich gesagt ist nie vollkommen klar, wie schnell man eigentlich fahren darf. Geschwindigkeitsbeschränkungen in Form von Verkehrsschildern gibt es auf Siargao nicht. Stattdessen gibt es ab und zu Schilder, die zum Langsamfahren auffordern:
SLOW! School Zone.
Was genau "Slow" bedeutet ist natürlich Auslegungssache. Aber wenn ich auf den David-Papa vertraue, der schon sein Leben lang auf diesen Straßen fährt, kann nichts schiefgehen. Eigentlich kann ich meinen Kopf sogar abschalten und in Gedanken abschweifen.

Ich denke an den heutigen Tag zurück. Heute endet mein Writing Retreat. In der Früh kam Sophia, sodass wir gemeinsam den Tag in Pacifico verbringen konnten. Frühstück in unserem neuen Lieblingslokal "Sausalito", schwimmen im Meer und dann der Ausflug mit David.
Die Klippen von Tangbo #
Wir fahren David hinterher. Erneut machen wir bei Tangbo Halt, wo ich vor einigen Tagen den Sonnenuntergang beobachtet hatte. Eine kurze Wanderung später, die wir natürlich in Flipflops bestreiten, erreichen wir schroffe Felsen.
Einige Jugendliche schwimmen im Wasser und andere stehen auf den Felsen. Alle machen sie coole Saltos. Das Meer strömt in die kleine Bucht. David erzählt, dass die Strömung im Dezember so stark wird, das es hier richtig gefährlich ist, wenn man schwimmen gehen möchte.

"Do a backflip", ruft er prompt nach dieser Warnung einem jungen Filipino zu. Weil Backflips von den schroffen Felsen zu machen ist natürlich völlig ungefährlich!
Die drei Höhlen #
Das eigentliche Highlight des Ausfluges wartet allerdings noch auf uns. Es wirkt fast so, als hätte sich David dieses Schmankerl für einen besonderen Moment aufgehoben. Jetzt bekommen wir nämlich eine Höhlenführung!
Und zwar von einem äußerst unmotivierten und unbegeisterten Höhlenführer. Er spricht sehr langsam und ruhig. Seine Stimme hält immer dieselbe Tonlage. Er ist entweder einfach zu Tode gelangweilt, weil er die Tour schon so oft gegeben hat, oder auf Droge. Oder beides. Aber auf keinen Fall meint er es böse. Ich find es tatsächlich sehr amüsant, wie er die vermeintlich "aufregenden" drei Höhlen ohne jeglichen Enthusiasmus vorstellt.
"This is the bat cave" (die Fledermaushöhle), sagt er langsam, als wir die erste Höhle betreten. Aber wo sind die Fledermäuse? Er schaltet seine Taschenlampe ein und leuchtet an die Decke. Tatsächlich hängen hier ein halbes Dutzend reglose Fledermäuse an der Decke.
Weiter geht es mit der zweiten Höhle. "This is the turtle cave" (die Schildkrötenhöhle). Diese Höhle ist noch kleiner als die erste. Als er wieder die Taschenlampe aktiviert, erkenne ich vier bis fünf kleine Schildkröten, wie sie an einer Lacke rasten. Ich muss innerlich laut loslachen (weil es innerlich ist, lache ich allerdings leise los). Wohnen die da wirklich freiwillig? Oder hat die jemand hierhin "platziert", um das ganze Höhlenabenteuer aufregender zu gestalten?
Aber keine Sorge, das eigentliche Abenteuer wartet noch und zwar in der dritten Höhle. "This is the adventure cave" (die Abenteuerhöhle). Erneut muss ich lachen, halte es aber zurück. Als wäre diese Höhlenerkundung nicht "aufregend" genug gibt es zum krönenden Abschluss doch tatsächlich eine Höhle, die sich "Abenteuerhöhle" nennt?
Was uns in der letzten Höhle erwartet ist jedenfalls so unaufregend, dass ich mich heute gar nicht mehr wirklich daran erinnere, was wir hier vorfinden. Doch angeblich wurde sie im frühen 20. Jahrhundert als Unterschlupf für Piraten genützt und während des zweiten Weltkriegs von japanischen Soldaten, als sie ihre Gefechte gegen die Amerikaner auf den Philippinen austrugen.

Zum Schluss frage ich unseren gelangweilten aber überaus freundlichen Höhlenführer, welche denn seine Lieblingshöhle sei. "The first one", sagt er, wie für ihn typisch, ohne jegliche Begeisterung und ohne das näher auszuführen. Hey, meine auch!
Baba, Pacifico #
Wir lassen den Tag in "Little Hawaii" ausklingen, einem beliebten Ort in der Nähe von Burgos, wo Filipinas und Filipinos rasten, frittierte Banane essen und das Leben genießen. Was dieser Ort mit "Hawaii" zu tun haben soll, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Danke für den Ausflug, David, sagen wir und ich spüre, dass wir heute Freunde geworden sind.

Dann werd ich aus meinen Gedanken gerissen, weil Davids Papa mit seinem Tuktuk zu einer Tankstelle abbiegt. Was für ein toller Tag in Pacifico. Doch in einer Viertelstunde sind wir wieder in Malinao, wo die eigentliche Pause auf den Philippinen beginnen soll. Jetzt wird's auch Zeit.