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Niqs Reisen

El Cangrejo Blanco

Der Besucher im Balituk.

Drei Nächte in Folge gießt es wie aus Kübeln. Gewitter ziehen auf, entladen sich wieder, und reinigen damit die Luft von dieser unerträgliche Tropenhitze. Die Regenzeit bringt nicht nur Regen und Gewitter. Sie bringt auch einen Besucher.

Er trägt allumfassende Weisheit in sich. Eine Weisheit, die weit über das Zeitalter des Menschen zurückreicht. Er kennt das Schicksal des Universums und die unbedeutende Rolle, die wir Menschen darin spielen. Er wirkt allerdings neugierig, als er uns bemerkt und sieht wie wir leben. Ihr reist um die Welt? Das wusste er natürlich. Neugierig ist er trotzdem.

"Unser Haus, vor dem eine große Palme steht. Ein Geländer führt nach oben auf die Terrasse. Rund um das Haus wachsen Büsche und Palmen."

Er lebt in unserem Garten. Er hat einen weißen, flachen Körper. Da Sophia und ich seit der Ankunft auf den Philippinen den Spanischunterricht ernster nehmen, der unsere Bildungskarenz finanziert, sind wir uns über seinen Namen rasch einig: "El cangrejo blanco", zu Deutsch: der weiße Krebs.

Fotos von ihm existieren keine. Jedes Mal, wenn er da ist und ich ihn von der Terrasse aus beobachte, warte ich auf den richtigen Moment. Dann schleiche ich nach vorne und halte mein Handy über die Brüstung. Doch in diesem Moment verschwindet er plötzlich. Nach einer verregneten Nacht taucht er dann wieder auf. Immer an derselben Stelle: in einem kleinen Loch in der Erde, neben einem Palmenbaum.

Eines Tages ist er unaufmerksam und Sophia gelingt die einzige Aufnahme, die heute von ihm existiert, wie er da so liegt und in seinem Loch lauert.

"In der Erde neben einer Wurzel, ist ein kleines Loch in dem sich ein kleiner Krebs versteckt. Man erkennt wie er dort lauert."

Anfangs mögen wir ihn nicht sonderlich. Wir verstehen auch nicht was er hier macht. Letztlich interpretieren wir sein Erscheinen als Omen. Am liebsten würden wir seine Geheimnisse lernen, an seiner unendlichen Weisheit teilhaben. Doch auch er scheint fasziniert von uns.

Was machen wir hier?
Wohin reisen wir als nächstes?
Was haben wir gelernt?

Lieber cangrejo blanco, wenn du das liest, dann sei versichert: diese Reise macht auch uns jeden Tag ein bisschen weiser. Wir lernen über den Planeten, über die Menschen und Tiere, die darauf leben. Wir lernen über Naturphänomene, über die wir zuvor nie sonderlich viel nachgedacht hatten. Wir lernen surfen! Und wir lernen es im Moment zu leben.

Auch wenn wir eines Tages Baler verlassen, du wirst uns mit deiner unendlichen Weisheit begleiten.

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