Das Feilschen um eine faire Tagesrate für das Moped ist ein erbitterter Kampf. Die Zeiten, als das Moped noch fünf Euro pro Tag kostete, liegen wohl in einer weit entfernten Vergangenheit.
Als der Tag der Übergabe da ist, machen sich Zweifel breit, ob diese denn tatsächlich zustande kommen wird. Der Typ ist Mopedverleiher, möchte aber sein Moped nicht verleihen. Er scheint uns nicht zu vertrauen und schlägt vor, dass er ja nach zehn Tagen wiederkommen könnte, so eine Art Kontrollbesuch - wie wir das denn fänden? Jetzt ist er schon hier im Balituk, bringt das schwarze Honda Click auch mit, doch ganz sicher ist er sich seiner Sache nicht. Während der Übergabe kommen nicht nur seine Zweifel zum Vorschein, sondern seine innige Verbundenheit mit dem lieben Gott.
Also schwören Sophia und ich, dass wir regelmäßig in die Kirche gehen, glücklich verheiratet sind und heute Abend das Vaterunser beten werden. Dann bekommen wir endlich Mofinger überreicht.

Ohne Mofinger werden wir weder unsere Wäsche zur Wäscherei bringen, noch zu unserem liebsten chinesischen Fastfood-Restaurant "Chowking" fahren, geschweige denn diesen fantastischen Ausflug zu den Ditumabo Mother Falls unternehmen können, von dem ich heute erzählen will.
Wandern mit Sandra #
Wie es bei vielen philippinischen Attraktionen üblich ist, die unter Naturschutz stehen, müssen wir unsere Namen in ein Formular eintragen und eine kleine Gebühr entrichten. Wir lächeln den lieben Leuten an der überbesetzten Stelle zu und wollen schon aufbrechen und die Wanderung zum Wasserfall starten. "Not so fast!"1, sagt der Herr der Formulare. Wir bekommen eine Wanderführerin zugewiesen ("It is required"2), eine Frau mittleren Alters, die auf den Namen "Sandra" hört.
Sie kann nicht so gut Englisch aber bringt uns viele Wörter auf Tagalog bei. Während wir also über Stock und Stein wandern und uns dieser tollen Natur aussetzen, beginnen wir mit den Basics:
Mabuhay ("Willkommen" oder "langes Leben")
Kumusta, po?3 ("Wie geht es Ihnen?")
Magandang umaga ("Guten Morgen")
Magandang hapon ("Guten Tag")
Pakiusap ("Bitte")
Immer wieder führt der Weg über Steine im Fluss und verlangt von mir, meine Schuhe auszuziehen, nur um sie nach der Überquerung wieder anzuziehen.

Der Tagalog-Unterricht geht weiter.
Zapatos4 ("Schuhe")
Es ist so schön hier. Wir überqueren kleine Brücken, beobachten fremde Vögel und staunen über bunte Schmetterlinge.

Wir passieren Bäume, Wiesen, Blumen und Flüsse.
Maganda ("Schön")
Tulay ("Brücke")
Ibon ("Vogel")
Paru-paru ("Schmetterling")
Dapdap5 ("Baum")
Parang ("Wiese")
Bulaklak ("Blume")
Ilog ("Fluss")
Die Wanderung ist keines Wegs anspruchsvoll und wenn wir uns ehrlich sind, hätten wir dafür keine Wanderführerin gebraucht. Es ist dennoch nett, eine waschechte Filipina dabeizuhaben, die einem ihre Sprache beibringt. Außerdem hätte ich diese in typischer Filipino-Tradition antreten können: in Flipflops. Dann müsste ich nicht alle paar Meter meine Schuhe aus- und wieder anziehen.
Endlich erreichen wir den Wasserfall, der so riesig ist, dass es sich dabei nur um die Mutter aller Wasserfälle handeln kann (Warum auch sonst heißt er "Mother Fall"?)

Wir füllen unsere Wasserflaschen auf und nehmen ein Bad im eiskalten Wasser. Etwas eigenartig finde ich, dass Sandra einfach daneben steht und uns dabei beobachtet. Aber wenn sie uns in dieser Szenerie sieht, fällt ihr das ein was man auf Tagalog sagt, wenn man Liebe spürt: "Iniibig".

Am Weg zurück lernen wir noch unterschiedliche Körperteile auf Tagalog. Wie es dazu kommt, weiß ich nicht mehr.
Aber hier sind sie:
Ulo ("Kopf")
Balikat ("Schultern")
Tuhod ("Knie")
Um Sandras Beruf beneide ich sie: mit Tourist:innen auf Wanderung gehen und ein bisschen Sprachunterricht geben. Könnte das mein künftiger Beruf in den österreichischen Alpen werden?
- Nicht so schnell!
- Es ist notwendig.
- "Kumusta" kommt tatsächlich vom Spanischen ¿Cómo está?
- Entstammt, wie so viele Wörter in Tagalog, dem Spanischen
- Bestimmte Art von Baum, nämlich Erythrina variegata (für alle Botaniker:innen da draußen).