Am Morgen, an dem wir Pacifico verlassen, machen wir eine besondere Erkenntnis: der Morgenkaffee, auch wenn es grauslicher Pulverkaffee ist, schmeckt am besten, wenn man ihn im Meer zu sich nimmt.

Außerdem stellen wir fest, dass die Gezeiten in Pacifico ganz besonders intensiv wahrnehmbar sind. Während dem Morgenkaffee herrscht noch Flut, doch schon am Vormittag verschwindet das Wasser und weicht schroffen Felsbrocken. Plötzlich kann man in knöcheltiefen Wasser hunderte Meter weit aufs Meer hinaus spazieren.

Wir nehmen einstweilen Abschied von David und verlassen das wunderbar ruhige Pacifico. Davids Papa fährt pünktlich um 14 Uhr mit dem Tuktuk vor. Wir beladen es mit unserem Reisegepäck und dann trennen sich unsere Wege. Sophia fährt im Tuktuk mit, ich setze mich auf Mofi.

Es stellt sich heraus, dass Siargao flächenmäßig genauso groß wie Wien ist (Siargao ist tatsächlich nur 2 km² größer). Vom Nordosten der Insel, wo Pacifico liegt, fahre ich bis in den Südosten, wo Malinao liegt. Wäre Wien eine Insel, würde ich also quasi von Stammersdorf zum Albernen Hafen fahren. Liebe Grüße an alle Wiener Inselbewohner:innen da draußen!
Auf den Solotrip mit Mofi freue ich mich schon seit einigen Tagen. Wer regelmäßig meinen Blog liest, hat eventuell schon mitbekommen, wie sehr mir das Mopedfahren Spaß macht.

Ich fahre an den berüchtigten Schulzonen vorbei, welche die gesamte Fahrspur absperren und einen dazu zwingen, abzubremsen und ganz langsam daran vorbeizufahren. Ich begegne einem Rudel an Hunden, die gemütlich einen Spaziergang am Straßenrand unternehmen. Ich fahre durch ein kleines Barangay (Dorf), in dem eine kitschige Statue der Gottesmutter Maria steht, wie sie Baby Jesus am Arm trägt und auf einer Platform über zwei Hirten mit Stöcken und Hüten und einem Mann in weißem Hemd und Aktenkoffer steht. Ich überhole Mopeds mit Beiwagen, die meterlangen Bambus transportieren.

Als ich freie Fahrt an einer Straße habe, die kilometerweit schnurstracks gerade aus verläuft, gib ich richtig Gas. Eine grüne Echse, die bestimmt einen Meter lang ist, taucht plötzlich aus dem Unterholz auf, huscht über die Straße und verschwindet erneut im Dickicht.
Nach einer Stunde Fahrt erreiche ich dann endlich Malinao. Ich bin richtig erledigt. Mir ist heiß und die lange Konzentration verlangt mir einiges ab. Sophia plaudert schon fröhlich mit der Gastgeberin Jhiemarie und streichelt einen braunen Hund. Es ist ein langer Weg nach Malinao.