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Niqs Reisen

Bittersüße Schlaflosigkeit

Insomnia auf Reisen.

Es ist mitten in der Nacht und ich bin immer noch hellwach. Ich hatte gehofft, der Alltag auf den Philippinen würde mir meine Aufregung nehmen und die Schlaflosigkeit verschwinden lassen, die mich schon jahrelang begleitet. Doch ganz so einfach ist es wohl nicht. Die Philippinen sind eben aufregend, auch wenn man nicht so viel erlebt.

Ich verlasse die klimatisierte Wohlfühlzone, auch bekannt als "Schlafzimmer" und sehe neidisch zu Sophia, die aussieht, als würde sie ihre besten Träume träumen. Als ich die Tür zum Wohnzimmer öffne, kommt mir eine Hitzewand entgegen. Mit lieben Grüßen aus den Tropen. Die Terrassentür wird wie üblich von der schlafenden Hündin Kabud blockiert, die sich bei uns sehr wohl zu fühlen scheint.

Als ich die Terrasse durch die Hintertür betrete, ist auch Kabud hellwach. Sie wirft mir einen besorgten Blick zu, so als wüsste sie genau, dass etwas nicht stimmt. "Alles gut", versichere ich ihr. Ich setze mich auf den bequemsten Schaukelstuhl der Welt und stelle den Laptop auf den Schoß. Die Beine kann ich einfach ausstrecken und auf den langen Armlehnen (Beinlehnen?) ablegen.

"Eine Zeichnung von Kabud, wie sie seitlich am pinken Teppich liegt."

Bis in die frühen Morgenstunden schaukle ich dahin, schaue YouTube, lese oder schreibe meinen Blog. Dann höre ich Podcasts, während ich Dehnübungen mache, da mein Körper von der ganzen Surferei nahezu zerstört ist. Kabud ist längst wieder eingeschlafen. Gegen vier Uhr Früh folge ich, wie immer, dem Ruf der Natur.

Ich ziehe die Jacke an, setze die Kapuze auf und spaziere durch die verregnete Nacht. Einige Augenblicke später erreiche ich den Strand. Das Meer tost und stürmt und wirkt bedrohlich. Ich blicke in absolute Finsternis. Die Wellen schlagen am schwarzen Strand auf und plötzlich wird aus dem Meer ein mächtiger Ozean. Dann lass ich die Hose runter und pinkle hinein. Es kommt einem Akt der Rebellion gleich, so als würde ich dem Ozean sagen: "Ich muss pinkeln!".

Wie es aussieht, finde ich auch heute Nacht keine Ruhe. Und obwohl ich am allerliebsten schlafen würde, möchte ich dieses Gefühl um nichts in der Welt aufgeben. Die Ruhe der Nacht, die Empathie von Kabud, das beruhigende Wippen im Schaukelstuhl, das laute Rauschen des Pazifik.

Die bittersüße Schlaflosigkeit auf den Philippinen erinnert mich: heute reise ich. Schlafen kann ich daheim in Österreich.

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